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Die lange Strecke joggen

Nach genau 10-einhalb Minuten laufe ich auf meiner üblichen Jogging-Strecke über eine Brücke mit einem grünen Geländer und muss mich entscheiden. Geradeaus oder abbiegen? Kurz oder lang? Vorsicht oder Power?

Ich laufe oft. Ich stehe oft vor dieser Entscheidung. Bisher war es ausnahmslos so, dass ich, wenn ich geradeaus die kurze Strecke gewählt habe, kaum bis nach Hause durchgehalten habe, ohne zwischendurch mal zu gehen. Wenn ich in die lange Strecke abgebogen bin, bin ich stets mit Kraft und Endspurt zuhause angekommen.

König der Tiere

Ich war mit meinen Kindern im Zoo. Es war viel zu heiß und am beeindruckendsten hat uns das die Löwin klar gemacht, die ihr weißes Bauchfell und alle vier Beine der Sonne entgegengestreckt und ihre Bewegungen gänzlich auf ein gelegentliches Ohrenzucken eingeschränkt hat.

Das war recht hübsch aber langweilig anzusehen, so dass ich mir das Schild mal durchgelesen habe, obwohl ich mir einbilde, schon genug über Löwen zu wissen.

Da stand, dass wir Menschen den Löwen für so beeindruckend halten, dass wir ihm den Beinamen "König der Tiere" gegeben haben. (Das wusste ich schon.) Und dass das nicht daran liegen kann, dass er so groß ist (Tiger und Elefanten sind größer) oder so gefährlich, weil das auch alle möglichen anderen Tiere sind. Es könne - so die Schlussfolgerung auf dem Schild - nur an der eindrucksvollen Gestalt des Löwen liegen.

Hm.

Ich glaube, das ist es nicht.

Werbung, oder: Books on Demand Ambassador

Als Antikapitalistin fällt es mir relativ schwer, Werbung für andere Leute zu machen. Es fällt mir extrem schwer, Werbung für mich zu machen. Werbung ist das Gift der Wirtschaft. Das Opium...

Ihr wisst ja, Marx ging davon aus, dass wir in ein paar Jahren die Produktivität so weit gesteigert haben, dass wir uns mit Leichtigkeit alle unsere Bedürfnisse erfüllen können und dann den Morgen mit Jagen, den Nachmittag mit Fischen und den Abend mit Philosophieren verbringen.

*seufz*

Alltags-Meditations-Haikus

Es ist über zwanzig Jahre her, als ich das erste Mal mit dem "Wunder der Achtsamkeit" konfrontiert wurde. So hieß das Buch eines buddhistischen Mönchs, mit dem meine Eltern offenbar nichts anfangen konnten, weshalb es bei mir gelandet ist. Hat mich sofort fasziniert. Was nicht heißt, dass ich es umsetzen konnte.

Gute Vorsätze für das Jetzt

Mitte Januar. Mist.

Meine guten Vorsätze für das Jahr 2010 gehen schon wieder die Elbe runter. Wie lange haben die Vorhaben gehalten, mehr auch mich zu achten, mehr die Person zu sein, die ich sein will, netter und aufmerksamer gegenüber anderen zu sein und meinen Kindern mehr zu zeigen, dass ich sie lieb habe? Ganz zu schweigen von weniger rauchen, mehr saufen und generell glücklicher sein!

Wollt ihr wissen, wie lang es gehalten hat?

Minus vier Tage.

Ich habe mir die Vorsätze nämlich schon kurz nach Weihnachten vorgenommen.

Minus vier Tage!

Die Angst vor der Flut

Regentropfen füllen die Leere
      nur halb.

Tropf. Tropf. Tropf. Wenigstens etwas bewegt sich.
Ich bin es nicht.

Tropf. Tropf.

Regen. Regen. Reben. Leben...

Aber er ist draußen, der Regen. Ich lasse ihn nicht zu mir hinein.

Den Saft des Lebens.
Tröpfelnden Regen.
Pfützenfüllendes Nass.
Ertränkende Flut.

Ist es das? Die Angst vor der Flut, die mich den Tropfen zurückweisen lässt?

So etwas Doofes! Da gehe ich doch lieber raus und fange mir einen Regentropfen.

Re-Mission reloaded

Was ist das mit Aggressionen? Woher kommt der gelegentliche Drang, jemandem in die Fresse zu hauen? Sind das Instinkte, ein Erbe der höhlenbewohnenden, erbgutspendenden ersten Menschen? Sind es verborgene Wünsche, die die inneren Mauern zu durchbrechen versuchen, was ihnen nur als blitzartiger Impuls gelingen kann, schneller als ein unterdrückender Gedanke?

Extrawurst

Meine Kinder essen nicht so gerne das, was ich gerne esse. Eine Zeitlang habe ich ihnen immer etwas extra gemacht. Zum Beispiel habe ich ein paar Nudeln zurück gehalten und nicht in den Auflauf getan. Oder ich habe halt eine Portion Bratkartoffeln zusätzlich gemacht.

Aber jetzt nicht mehr.

Jetzt mache ich die Extrawurst mir.

"Was gibt es heute?", rufen sie.

Und ich antworte zufrieden: "Nudeln mit Ketchup." Oder "Bratkartoffeln pur." Oder irgendein anderes Minimalgericht, von dem ich weiß, dass es ihren Geschmack trifft. Ohne Murren essen sie es.

Congratulations, Elinor Ostrom!

I just read that Elinor Ostrom was awarded the nobel prize in economics. And I started crying. In desperation. Don't ask me why, well do ask me why, because I would want to know. I adored her. I still do. She is the figurehead of good science in service of humanity and the search for truth, while at the same time she is friendly and cordial like any us-american grandmother, giving out praise and supportive critique like chocolate cookies.

I adore her.

Her winning the nobel prize shakes the floor on which my disappointment with academia, science, and politics rests.

Allein

Morgens Viertel vor sechs. Die Welt ist still. Ich kann nicht schlafen, ich bin allein.

Weißt du, was mein Problem ist?

Ich weiß es nicht. Ich ahne nur etwas, etwas vages Unfassbares - also nicht unglaublich, sondern nicht anfassbar. Ich bin verrückt, also nicht bekloppt oder irre, sondern verschoben, weg gerückt, außer Phase.

Abends um sechs werde ich müde. Kann nicht mehr.

Morgens um vier werde ich wach. Kann nicht mehr schlafen.

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